„Wir brauchen mehr Macher“

  • 01.09.2019
  • AUTHOR: Sandra Koch
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© WJD/Jana Legler

Ein Gespräch des IHK WirtschaftsForum mit Florian Gloßner, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland, über die Ziele der jungen Wirtschaft und die Bedeutung von Netzwerken in der globalisierten Welt.

Florian, der Slogan der Wirtschaftsjunioren lautet: „Wirtschaft, die mehr schafft.“ Was bedeutet er für Dich?

Wer bei uns mitmacht, engagiert sich im Beruf – will aber auch darüber hinaus etwas bewegen. Unsere Mitglieder sind ehrenamtlich in vielen Projekten aktiv und setzen sich für eine bessere Bildung und innovatives Unternehmertum ein. Anstatt nur Forderungen zu stellen, packen wir die Dinge selbst an.

Welche Ziele verfolgen die Wirtschaftsjunioren konkret?

Wir wollen mehr Menschen für die unternehmerische Selbstständigkeit begeistern. In unserem Projekt „Start-Up Your Future“ bringen wir dazu Geflüchtete, die ein Unternehmen gründen wollen, mit erfahrenen Gründerpaten zusammen. In einem anderen Projekt, „Jugend stärken: 1000 Chancen“, unterstützen wir Jugendliche bei der Berufsorientierung und bieten Bewerbungstrainings und Schülerpraktika an. Politisch setzen wir uns vor allem für bessere Gründerbedingungen, eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik und internationale Zusammenarbeit ein.

Inwiefern profitieren junge Unternehmer und Führungskräfte von einer Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren?

Unsere Mitglieder schätzen an den Wirtschaftsjunioren besonders das außergewöhnliche persönliche und berufliche Netzwerk, das sich über die ganze Welt erstreckt. Neben der Möglichkeit zum internationalen Austausch begeistert unsere Mitglieder auch die konkrete Projektarbeit. Es ist wirklich bereichernd, mit Gleichgesinnten vor Ort Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an der Aufgabe zu wachsen. Die ehrenamtliche Arbeit im Verband bietet zudem spannende Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung und politischen Vernetzung.

Du kennst viele Mitglieder aus den einzelnen Kreisen persönlich. Gibt es das typische WJ Mitglied?

Das typische WJ-Mitglied gibt es eigentlich nicht. Wir haben Gründer, Freiberufler, Familienunternehmer und Führungskräfte aus allen Branchen in unseren Reihen. Was uns eint, ist neben dem Alter der Gestaltungswille und das persönliche Engagement.

Aus welchen Gründen sollten sich junge Leute beruflich selbstständig machen?

Es gibt kaum etwas Erfüllenderes, als sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Dabei sind so viel Herzblut und Eigeninitiative gefragt. Es macht einfach Spaß, sich selbst zu verwirklichen und sein eigener Herr zu sein. Dieser Grad an Autonomie wäre in einem Angestelltenjob nie möglich. Wir brauchen in Deutschland mehr Macher – und weniger Miesmacher. Leute, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, Arbeitsplätze schaffen und unsere Wirtschaft mit neuen Ideen voranbringen.

Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Klimawandel und Fachkräftemangel: Wie schätzt du die aktuelle wirtschaftliche Lage ein?

Auch wenn die wirtschaftliche Lage in Deutschland gut ist, dürfen wir uns nichts vormachen: Wir leben von der Substanz. Wir haben in Deutschland wichtige politische Weichenstellungen verschlafen, die für die Wertschöpfung der Zukunft zentral sind. Erst nach jahrzehntelanger Diskussion liegt nun endlich ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf dem Tisch. Unseren Schulen mangelt es an digitaler Infrastruktur. Trotz exzellenter Grundlagenforschung in Deutschland, dominieren Amerikaner und Chinesen im Geschäft mit der Künstlichen Intelligenz. Mein Eindruck ist: Während wir noch diskutieren, schaffen andere Länder Fakten.

Welche Rolle spielen Netzwerke in der Wirtschaft – und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wirtschaftsjunioren?

Die Bedeutung von Netzwerken wird immer wichtiger. Ich behaupte, dass man heute ohne ein funktionierendes Netzwerk unternehmerisch nicht erfolgreich sein kann. Oft tausche ich mich mit anderen Wirtschaftsjunioren zu Themen der strategischen Unternehmensführung oder auch ganz praktischen Fragen aus. Dieser freundschaftliche Austausch auf Augenhöhe hilft ungemein. Ich nutze auch gerne unsere internationalen Netzwerke über Junior Chamber International und die G20 Young Entrepreneurs‘ Alliance, um über den nationalen Tellerrand hinaus zu blicken.