Vereinbarkeit zahlt sich aus
Fachkräfte gewinnen, binden und aktivieren – ein zentrales Thema für Unternehmen. Erfolgreiche Personalpolitik setzt deshalb verstärkt auf familienfreundliche Strukturen. Denn nur wer Familie und Beruf vereinbaren kann, kommt oder bleibt im Job. Die Verfügbarkeit von staatlichen Betreuungsangeboten und Pflegeeinrichtungen sind somit ein wirtschaftlicher Schlüsselfaktor. Studien zeigen: Mehr Vereinbarkeit bringt Wachstum, Produktivität – und Milliarden für den Staat.
Ein lustiges Instagram-Reel zeigt chaotische Szenen aus dem Homeoffice mit Kindern. Die Caption: „Kita-Chaos, kranke Kids, Elternabende & Excel-Tabellen? Wir wissen: Familie & Beruf zu vereinbaren, ist ein ganz eigener Job.“ Mit dieser Botschaft wirbt die Deutsche Bahn um Bewerber:innen als Teil einer Personalstrategie, die gezielt Eltern und pflegende Angehörige in den Fokus rückt. Denn: Der Konzern steht unter Handlungsdruck. Bereits 2030 wird die Hälfte der heutigen Belegschaft das Rentenalter erreichen. Um den Fachkräftebedarf zu sichern, erhöht die Deutsche Bahn die eigene Arbeitgeberattraktivität durch Vereinbarkeitsangebote.
Ein sinnvoller Schritt: Immer mehr erwerbstätige Personen in Deutschland tragen Sorgeverantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Ein riesiges Potenzial, das häufig ungenutzt bleibt. Viele könnten mehr arbeiten, wenn es bessere Betreuungs- und Pflegeangebote sowie flexiblere Arbeitsbedingungen gäbe. Die Deutsche Bahn reagiert mit Zuschüssen zur Kinderbetreuung, Homeoffice-Möglichkeiten, Teilzeitmodellen, Ferienangeboten, Elternnetzwerken und Coachings.
Doch es geht nicht nur um Fachkräftesicherung, sondern auch um gesamtwirtschaftliche Vernunft. Frauen – noch immer Hauptverantwortliche für Care-Arbeit – könnten stärker in den Arbeitsmarkt einsteigen, wären die Rahmenbedingungen besser. Studien zeigen: Wenn flächendeckend ausreichend Betreuungs- und Pflegeangebote verfügbar wären, könnten bis 2030 rund 600.000 zusätzliche Vollzeitstellen von Frauen besetzt werden. Das Bruttoinlandsprodukt würde jährlich um 60 Milliarden Euro wachsen. Gleichzeitig würde die Einkommenslücke schrumpfen, die fiskalischen Mehreinnahmen bis 2035 auf 14 Milliarden Euro pro Jahr steigen (Krebs/Prognos 2025).
Die Prognos-Studie zur familienfreundlichen Unternehmenskultur identifiziert ein Drei-Stufen-Modell, das Unternehmen hilft, gezielt Vereinbarkeit zu fördern:
1. Eine Unternehmenskultur etablieren, die Vereinbarkeit als Normalität begreift.
2. Die vielfältigen Rollen und Bedürfnisse von Müttern, Vätern und Pflegenden berücksichtigen.
3. Lebensphasenorientiert denken, d. h. Vereinbarkeit regelmäßig thematisieren und an die Bedürfnisse der Belegschaft anpassen. Ein proaktiver Umgang mit dem Thema wirkt sich positiv auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen aus, ebenso auf Unternehmen in Bezug auf Fachkräfte sowie auf den Staat, der Mehreinnahmen in Milliardenhöhe erwarten kann.

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