Mit Sicherheit

Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, ihre Unternehmen in die Zukunft zu führen, während multiple Krisen und tiefgreifende Disruptionen das Tagesgeschäft bestimmen. Wer weiterhin gut wirtschaften möchte, kommt um das Thema Sicherheit nicht herum.

Taucht man bei LinkedIn in die Wirtschaftsbubble ein, entsteht der Eindruck, eine kollektive Momentaufnahme unserer Zeit zu lesen. Dabei ist das Thema Sicherheit in den Beiträgen von Unternehmer:innen und Führungskräften omnipräsent: Lieferkettensicherheit, Energiesicherheit, Planungssicherheit und IT-Sicherheit. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Geopolitische Spannungen, eine sprunghafte US-Zollpolitik, fragile Handelsrouten, steigende Energiepreise und eine schwache Konjunktur sind externe Faktoren, auf die Unternehmen reagieren, oder besser noch, sich dafür wappnen müssen.

Der Blick auf aktuelle Studien und Zahlen bestätigen den subjektiven Eindruck aus den sozialen Netzwerken. Schon jetzt meldet rund jedes sechste Industrieunternehmen laut ifoInstitut (Stand Juni 2026) Materialengpässe, allen voran die Chemiebranche. Dort berichten 31,2 Prozent der Unternehmen von Materialmangel.

Obwohl bei einer Befragung des Softwareanbieters Sphera nahezu alle teilnehmenden Unternehmen Risiken in ihren Lieferketten sehen, verfügen nur 52 Prozent von ihnen über eine vollständige Übersicht ihrer Risikoexposition. Zudem hat nur eine Minderheit von 15 Prozent ausreichende Transparenz bis in tiefere Lieferstufen der dritten Ebene. Dieser Wert liegt in zentralen Industrien wie Chemie, Fertigung und Automobil lediglich bei fünf Prozent oder darunter.

Zu diesen Unsicherheiten gesellen sich zudem Cyberangriffe in hohem Ausmaß. Im Rahmen der BitkomStudie „Wirtschaftsschutz 2025“ gaben 73 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die Anzahl der Cyberattacken in den letzten zwölf Monaten eher bis stark zugenommen habe. Sie rechnen zudem mit einem weiteren Anstieg. Der Gesamtschaden der Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten vor der Befragung von Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage konkret betroffen waren, beläuft sich laut der Studie auf 289,2 Milliarden Euro.

Als wären diese Herausforderungen nicht schon groß genug, sind laut ifo Schnelldienst (6/2025) die US-Einfuhrzölle unter Trump so rapide angestiegen, wie zuletzt in den 1920er und 1930er Jahren. Was bedeutet all dies für die junge Wirtschaft? Grundsätze der internationalen Wirtschaftsund Handelspolitik gelten im Jahr 2026 nicht mehr. Dementsprechend greifen auch nicht mehr Lösungsansätze, die darauf fußen, den Status quo wiederherzustellen. Die Unternehmen müssen agiler, anpassungsfähiger und risikobereiter sein und auch Lust aufs Ausprobieren haben, so Markus Brunnermeier, führender Volkswirt an der Princton University. Er stellte sein Konzept des Resilienzmanagements bei der DIHK- und ESMT-Konferenz „Zukunft der Wirtschaft – Herausforderungen in einer veränderten Welt“ Mitte Juni in Berlin vor. Er erklärte auch, dass dieses Konzept etwas Jugendliches habe, da es Unternehmer: innen brauche, die experimentierfreudig seien, und die etwas bewegen wollten.

Der Weg in die Zukunft braucht also die Haltung der Jugend. Diese Botschaft sollte alle Wirtschaftsjunior:innen beflügeln, sich jetzt auf die eigenen Stärken zu besinnen und mutig strategische Entscheidungen zu treffen, die Sicherheit und Resilienz fördern. Wobei Sicherheit und Resilienz ausdrücklich nicht „auf Nummer sicher gehen“ meint, sondern ganz im Gegenteil die Fähigkeit, auch bei Disruptionen und in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben. Die ist Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und letztlich Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.

Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist noch eine weitere Dimension in der Sicherheitsdebatte hinzugekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte im September 2025 beim „Schwarz Ecosystem Summit“ in Berlin, Deutschland sei nicht im Krieg, aber man lebe auch nicht mehr im Frieden. Zudem wird die Rückkehr zum Wehrdienst diskutiert und Deutschland möchte künftig die konventionell stärkste Armee Europas stellen. Der Ruf der Politik und der militärischen Industrie nach der zivilen Industrie wird hörbar lauter.

Wer vor wenigen Jahren eine Zusammenarbeit mit dem Militär noch ausschloss, ist heute mit einer anderen Bedrohungslage konfrontiert und muss sich fragen: Bleibt das Nein auch bestehen, wenn unsere Demokratie von außen bedroht wird oder Personen aus dem eigenen Umfeld zum Wehrdienst eingezogen werden? Sollten unsere Soldat:innen nicht die beste Ausrüstung zur Verfügung haben, sollte die NATO angegriffen werden? Die Antwort darauf muss jede:r für sich allein finden. Umso wichtiger sind differenzierte Betrachtungen und der Dialog; innerhalb der jungen Wirtschaft, zwischen Wirtschaft und Politik sowie von Unternehmer:innen mit ihren Teams.

Diese Ausgabe lädt alle ein, sich Sicherheit aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Sie zeigt, wie Unternehmen ihre Lieferketten robuster machen, wie sie sich gegen Cyberrisiken wappnen, wie sie Energieabhängigkeiten reduzieren und wie sie strategische Entscheidungen in einem unsicheren Umfeld treffen. Sie stellen sich den Herausforderungen genauso, wie es vorherige Generationen getan haben. Auch diese erlebten große Transformationsprozesse und Konfliktlagen mit den ÖlKrisen in den 1970er Jahren, mit dem Kaltem Krieg, dem Mauerfall oder der Weltfinanzkrise 2007/2008.

Den Blick zu weiten, vom individuellen Stimmungsbild auf Social Media hin zu diesen langfristigen historischen Linien, macht durchaus Mut: Die junge Wirtschaft kann Unsicherheiten zwar nicht vermeiden, aber sie kann selbst entscheiden, wie sie damit umgeht. Tut sie das mit Mut, Anpassungswillen und Experimentierfreude, wird sie die eigenen Unternehmen in die Zukunft führen. Mit Sicherheit.

Weiter Beiträge zum Thema