Vorsorge statt Nachsorge
Lohnt es sich für Unternehmen, in betriebliches Gesundheitsmanagement zu investieren? Studien liefern eine deutliche Antwort: Qualitativ hochwertige und passgenaue Maßnahmen rechnen sich. Sie senken Fehlzeiten, steigern die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die Attraktivität des Unternehmens.
Geht es dir gut? Laut einer Civey-Studie (2024) müssten 72 Prozent der Führungskräfte im Alter zwischen 30 und 39 Jahren mit „Ich bin erschöpft“ auf diese Frage antworten. Und damit sind sie nicht allein. 61 Prozent aller Arbeitnehmer:innen sehen sich gefährdet, an Überlastung zu erkranken. Einen direkten Zusammenhang zwischen Arbeitsplatz und eigener Gesundheit zeigt auch eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf: Ist die Stimmung im Unternehmen mies, berichten 67 Prozent der Befragten über körperliche Beschwerden. Bei positiv erlebter Unternehmenskultur sind es im Vergleich 32 Prozent. Über psychische Beschwerden klagen 65 Prozent der Mit- arbeitenden in Firmen mit schlecht erlebter Kultur, bei guter Stimmung sind es nur 36 Prozent. Somit ist Gesundheit kein rein privates Thema, und Unternehmen sind gut beraten, in ein gesundes Arbeitsumfeld über den klassischen Arbeitsschutz hinaus zu investieren.
Krankheiten vorzubeugen, birgt zudem ein großes wirtschaftliches Potenzial: 2025 waren Arbeitnehmer:innen in Deutschland durchschnittlich 14,6 Tage krankgemeldet. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Arbeitsunfähigkeit belief sich 2024 auf 227 Milliarden Euro. Darüber hinaus bringen Unternehmen jedes Jahr rund 82 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung auf.
Was die Zahlen nicht abbilden, ist, dass viele Arbeitnehmer:innen krank, mit Burnout oder Leadership Fatigue, also chronischer Erschöpfung, zur Arbeit gehen. Obwohl sie nicht in die Statistik fallen, beeinträchtigt ihr Gesundheitszustand ihre Entscheidungsqualität und Konzentration, was Konflikte begünstigt und zu emotionaler Distanz, Rückzug oder Mikro-management führen kann.
Vorsorge ist besser als Nachsorge. Jeder Krankheitstag weniger ist ein Gewinn. Aber in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen und schrumpfender Budgets stellen sich Arbeitgeber:innen die Frage, ob sich betriebliches Gesundheitsmanagement wirklich auszahlt und welche Präventionsangebote sinnvoll sind, um Ausfälle tatsächlich zu verhindern. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) ermittelte für ihren iga.Report 40 einen durchschnittlichen Return on Investment (ROI) von betrieblichem Gesundheitsmanagement. Dieser liegt laut Report bei 2,7. Für jeden investierten Euro fließen demnach rechnerisch 2,70 Euro zurück ins Unternehmen. Mehrkomponentenprogramme erreichen im Durchschnitt sogar einen ROI von 3,3, einfache Programme immerhin noch von 1,9. In 85 Pro-zent der ausgewerteten Studien lag der wirtschaftliche Nutzen über den Programmkosten.
Entscheidend für den Erfolg gesundheitsfördernder Maß- nahmen ist laut iga deren Qualität. Sie sollten auf einer Analyse der tatsächlichen Belastungen auf bauen, langfristig ausgerichtet und auf mehreren Ebenen verankert sein. Diesen Ansatz verfolgt auch Wirtschaftsjunior Daniel Albrecht, Co-Gründer des Start-ups STATICS. Das von ihm und seinem Team entwickelte Managementsystem zeigt mit diagnostischen Daten auf, was Leistung stärkt, wo Belastungen entstehen und welche Hebel den größten Effekt versprechen. „Gesundheit, Regeneration, mentale Stärke, Führung und Performance verbinden wir strukturell mit dem wirtschaftlichen Auftrag. Darauf auf bauend ent- wickeln wir individuelle Resilienz- und Performanceprogramme für Führungskräfte und Mitarbeitende“, so Daniel Albrecht.
Mehr Resilienz kann die junge Wirtschaft durchaus gebrauchen, schließlich ist die To-do-Liste lang, die die Politik ihr mitgibt: Sie soll zu mehr Wirtschaftswachstum beitragen, die Nachfolgelücke schließen, wichtige Transformationsprozesse wie Digitalisierung und KI vorantreiben, Ausbildungsplätze schaffen und Fachkräfte für Deutschland gewinnen.
Wirtschaftsjunior:innen stellen sich diesen Aufgaben, übernehmen Verantwortung und gehen oft über die eigenen Grenzen des Belastbaren. Damit sie und ihre Teams gesund bleiben und nicht auf halber Strecke ausbrennen, liefert diese Ausgabe Tipps für Vorsorge und gesunde Führung – die selbstverständlich auch für alle jenseits der 40 funktionieren.

Vorheriger Artikel der Ausgabe
„Normalisiert, dass Erfolge meist auch eng mit Tiefschlägen zusammenhängen.“
Nächster Artikel der Ausgabe
Frauengesundheit zahlt sich für alle aus
Weiter Beiträge zum Thema
Burnout beginnt lange bevor jemand ausfällt
Burnout beginnt lange bevor jemand ausfällt Mental-Health-Speakerin und HR-Expertin Kathrin Erasmus spricht offen über ihre eigene Burnout-Erfahrung. In ihrem Gastbeitrag schildert sie ihren Weg aus der Erschöpfungs- spirale und liefert damit wertvolle Tipps für Arbeitgeber:innen und Führungskräfte, ...
Der (noch) unterschätzte Ort für Unternehmertum: die Grundschule
Der (noch) unterschätzte Ort für Unternehmertum: die Grundschule Von Lisa ScheddinIn Schüler:innenfirmen sind Jungen häufig Geschäftsführer und die Mädchen in der Kommunikation oder Gestaltung eingebunden. Diese Beobachtung macht Lisa Scheddin, Projektleitung bei der Stiftung Bildung, immer ...
Mehr als dringend: Sanierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
Mehr als dringend: Sanierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Die Verkehrswege in Deutschland sind in einem schlechten Zustand: Engpässe, marode Bauwerke und veraltete Technik bestimmen das Bild. Für die Wirtschaft hierzulande wird dies immer mehr zum Problem, denn ein leistungsfähiges Verkehrssystem ...