Ein Jahr Bundesregierung – eine Zwischenbilanz
An die neue Bundesregierung hatte die Wirtschaft hohe Erwartungen. Nach zwölf Monaten zieht die junge Wirtschaft Bilanz.
Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 haben wir das WJD-Grundsatzpapier „Junge Wirtschaft. Starke Zukunft.“ erarbeitet. Zuvor konnten Wirtschaftsjunior:innen im Rahmen einer Umfrage eigene Vorschläge einbringen. Das Ergebnis waren 20 konstruktive Forderungen zur Stärkung der Wirtschaft, speziell für junge Unternehmer:innen und Führungskräfte.
Nach einem Jahr schwarz-roter Regierung blicken wir erneut auf unsere Kernforderungen, wie viel bereits umgesetzt worden ist – und wo es noch hakt.
Familie und Vereinbarkeit
Dass der Mutterschutz für Selbstständige endlich diskutiert wird, war lange überfällig und ist ein wichtiges Signal für Gründer:innen. Bei Ganztagsbetreuung und flexiblen Kitazeiten fehlen jedoch neue Impulse.
Generationengerechtigkeit
Bis zu 86 Prozent des Infrastruktur-Sondervermögens sind nicht in zusätzliche Investitionen geflossen. Gleichzeitig setzt das Rentenpaket den Nachhaltigkeitsfaktor bis 2031 aus, noch bevor die Alterssicherungskommission ihre Arbeit abgeschlossen hat. Die Rechnung dafür zahlt die junge Generation.
Unternehmensnachfolge und Fachkräfte
Rund 250.000 Betriebe stehen in den nächsten Jahren vor der Übergabe. Statt Planungssicherheit zu schaffen, schürt die Erbschaftsteuerdebatte Unsicherheit. Der Vorschlag des Sachverständigenrates, Steuerbefreiungen für Betriebsvermögen über 26 Millionen Euro zu streichen, tut sein Übriges.
Immerhin macht die Aktivrente es möglich, Mitarbeitende steuerlich attraktiv länger zu halten.
Digitalisierung
Die 24-Stunden-Gründung ist angekündigt, aber noch nicht da. Das NOOTS-Projekt ist staatsvertraglich beschlossen, operativ aber noch nicht wirksam. „Schneller Gründen“ läuft immerhin in der Pilotphase, in der Fläche angekommen ist es aber noch nicht.
Infrastruktur und Energie
Das Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz und das Infrastruktur-Zukunftsgesetz sind Fortschritte. Bei den Energiepreisen aber bleibt ein schaler Nachgeschmack: Die Stromsteuersenkung gilt nur für rund 600.000 Betriebe aus dem produzierenden Gewerbe, kleine Unternehmen gehen leer aus.
Was wir brauchen, sind leistungsfähige Netze, damit günstige, nachhaltige Energie auch wirklich ankommt.
Investitionen und Standort
Degressive Abschreibungen und eine niedrigere Körperschaftsteuer sind im Grundsatz richtig. Aber solange Bürokratie und Standortfaktoren nicht ernsthaft angegangen werden, bleibt das Investitionsprogramm das, was es im Kern ist: ein erster Schritt ohne ausreichend Wirkung.
Was fehlt?
Wirtschaft als Schulfach. Moderne Berufsberatung. Einbindung junger Führungskräfte. Englisch als zweite Behördensprache. Die Liste ist lang.
Es gibt Ansätze, auf denen sich aufbauen lässt. Alle, die wissen, wie lange Gesetzgebungsprozesse dauern, wissen aber auch: Was jetzt nicht angeschoben wird, kommt diese Legislatur nicht mehr an.
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