Keine Zeit für Bürokratie

Vom 8. bis 12 Juni öffnete der Deutsche Bundestag seine Türen für 150 Wirtschafts- junior:innen, die am Know-how-Transfer 2026 der Wirtschaftsjunioren Deutschland teilnahmen. Der direkte Austausch zwischen junger Wirtschaft und Abgeordneten ist seit mehr als drei Jahrzehnten zentraler Bestandteil des WJD-Engagements für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

© WJD/ Jana Legler

„Damit das Mögliche entsteht, muß immer wieder das Un­mögliche versucht werden.“ Das schrieb Hermann Hesse lange bevor Begriffe wie Bürokratieabbau oder Verwaltungsmoder­nisierung politische Schlagworte wurden. Dennoch beschreibt sein Gedanke treffend den Anspruch des Know-how-Trans­fers (KHT) 2026 und die Botschaft der jungen Wirtschaft an die Politik: Der Abbau der anhaltend hohen Bürokratielast ist mög­lich und die Vereinfachung vieler Verfahren für Unternehmen keine überzogene Forderung.


Dementsprechend hatten die KHT-Teilnehmenden konkrete Beispiele dabei, wie Dokumentations- und Meldepflichten ausbremsen und an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunfts­ fähig zu machen. Grundlage für die Empfehlungen war die WJD­Mitgliederumfrage zu Bürokratielast, an der sich rund 1.000 Wirtschaftsjunior:innen im Vorfeld des KHTs beteiligten. „Ihr Wunsch lautet nicht weniger Staat. Sie wollen einen Staat, der mit Augenmaß agiert, Verantwortung und Vertrauen zu­rückgibt sowie Gründer:innen und Nachfolger:innen als Zu­kunftsmotor erkennt – nicht als Risikogruppe“, so Heiko Kösling, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland.


Den Auftakt zur fünftägigen KHT-Woche bildete das Politikpanel beim Tag der jungen Wirtschaft. Auf dem Podium diskutierte der WJD­Bundesvorsitzende mit Christoph Frauenpreiß (CDU), Martin Kröber (SPD) und Sandra Stein (Bündnis 90/Die Grünen) über die drei zentralen Forderun­ gen des Verbands: Bürokratie abbauen, Steuern vereinfachen, Europa vollenden. Bereits hier wurde deutlich: Die Herausforderungen sind bekannt, jetzt braucht es mehr Tempo bei deren Bewältigung. Die Redner:innen waren sich einig, dass es dafür einen engen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft braucht.


Gesagt, getan. In den folgenden Tagen wurden die Forderun­gen – zusammengefasst in einem Leporello und eingebettet in die Kampagne „Hürden runter, Chancen rauf“ – an Mitglieder des Deutschen Bundestages herangetragen und in zahlreichen Gesprächen mit Vertreter:innen von Ministerien und Behörden besprochen. Zusätzlich wurden einige Forderungen auf große Würfel gedruckt und an ausgewählte MdBs übergeben. Diese gaben das Versprechen, sich dem Anliegen bis zum Wiederse­hen im kommenden Jahr anzunehmen.


Zum umfangreichen Rahmenprogramm gehörten unter anderem ein Austausch mit dem Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD­Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, Gespräche mit den Jungen Gruppen der Bundestagsfraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen sowie CDU/CSU und Treffen mit Vertreter:innen verschiedener Bundesministerien. So dis­kutierten die Teilnehmenden im Bundesministerium der Fi­nanzen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Michael Schrodi, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik Dr. Benjamin Weigert sowie im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Jarzombek.


Zu den Höhepunkten der Woche zählte der Fototermin mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich die Zeit nahm, ein paar Worte an die Wirtschaftsjunior:innen zu richten. Ebenso stan­den Besuche im Bundespresseamt, im Bundeskanzleramt, im Berliner Abgeordnetenhaus sowie eine Führung durch den Bundesnachrichtendienst auf dem Programm.
Beim KHT-Abschlusspanel im Allianz-Forum sprachen Heiko Kösling, Esra Limbacher (SPD) und Nora Seitz (CDU) zu „Hebel und Hürden – Regulatorik und der Mut zur Selbststän­ digkeit“. Moderiert von Bundesgeschäftsführerin Ann­Catrin Gras wurde noch einmal deutlich, was den Know­how­Transfer seit mehr als 30 Jahren auszeichnet: Er baut Brücken zwischen Politik und Wirtschaft und ermöglicht echten Austausch auf Augenhöhe. „Eine sehr produktive Woche, bei der wir unsere Anliegen platzieren konnten“, lautete das Fazit der stellvertre­ tenden Bundesvorsitzenden Carolin Hochmuth nach fünf Tagen im politischen Berlin.


Dominik Wahl, Ressortinhaber Unternehmertum im aktuellen Bundesvorstand, begleitete Gitta Connemann, zu dieser Zeit noch Parlamentarische Staatssekretärin im Bun­ desministerium für Wirtschaft und Energie. Auf die Frage, warum Wirtschaftsjunior:innen am KHT teilnehmen sollten, sagte er: „Wer als Unternehmerin oder Unternehmer Reformen einfordert, muss auch dort sein, wo sie verhandelt werden. Der KHT macht es möglich. Mitten hinein, echte Gespräche, echter Zugang“.

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