Zwei Wege, ein Ziel: Selbstständigkeit
Erfahrungen von Marielle Schäfer und Eduard Herbel
Die Vollzeitstelle kündigen, rein in die Selbstständigkeit. Wovon viele Angestellte träumen, haben Marielle Schäfer und Eduard Herbel in die Tat umgesetzt. Die Wirtschaftsjunioren gewähren ehrliche Einblicke in ihre sehr unterschiedlichen Wege ins Unternehmertum: nebenberufliches Gründen beziehungsweise Franchise-Gründung. Ihre Erfahrungen zeigen, warum das Businessmodell zur eigenen Lebenssituation passen muss, damit der Traum nicht allzu schnell ausgeträumt ist.
Der Weg der nebenberuflichen Gründung
Die Gründungsidee
Bei Marielle begann alles mit Gesprächen über Partnerschaft und Finanzen. Gemeinsam mit ihrem Mann bloggte sie über Themen, die sie bewegten. Später folgte ein eigener Podcast. Als sich Panel-Anfragen von Unternehmen und Institutionen häuften, Presseartikel erschienen und Einzelberatungen gewünscht wurden, entstand aus einem Hobby plötzlich echte Nachfrage und die Idee für das Unternehmen.
Der Start
Die ersten Anfragen waren Anlass genug, gemeinsam mit ihrem Mann eine GbR parallel zu ihren Anstellungen zu gründen. Die beiden bauten ihr Business langsam auf, wandelten es in eine UG um und stellten eine erste Mitarbeiterin ein. Die Teilzeitanstellung blieb immer das Sicherheitsnetz im Hintergrund, die ihnen die Krankenversicherung ermöglichte, den Performancedruck minimierte und die persönliche Flexibilität erhielt.
Der Realitätscheck
Der Plan, das Unternehmen während der ersten Elternzeit richtig aufzubauen, ging für Marielle und ihren Mann überhaupt nicht auf. Zeit war plötzlich die knappste Ressource. Auch nach dem beruflichen Wiedereinstieg mit jeweils 30 Wochenstunden blieb zu wenig Zeit für die eigene Selbständigkeit. Als ihr Mann später gesundheitlich ausfiel, war Marielle kurzfristig allein verantwortlich für Familie und Unternehmen. In dieser Phase wurde deutlich: Eine ausschließliche Selbstständigkeit passt nicht zur eigenen Lebenssituation, nebenberufliches Gründen ist weiterhin der richtige Weg. Aber die Frage lautete: Welche Zeitaufteilung ist die richtige, damit Familie, Beruf und Selbstständigkeit vereinbar sind?
Hürden überwinden
Bei Marielle heißt das größte Hindernis bis heute: Zeitmanagement. Zeitfenster sind endlich. Anstellung, Selbstständigkeit, Familie müssen in eine Woche passen, die immer nur sieben Tage hat. Ihr Modell funktioniert für sie, weil es ihnen als Familie größtmögliche Flexibilität bietet.
Die Erfolgsbilanz
Bis heute sind Marielle und ihr Mann mit geringen Teilzeiten (10 bis 15 Stunden pro Woche) angestellt und führen gemeinsam nebenberuflich die Beziehungsinvestor:innen UG. Das Unternehmen ist unverändert ihr Herzensthema. Sie bieten Elternzeit- und Elterngeldberatungen und -kurse für werdende Eltern an. Zudem nehmen sie Speaker:innen- und Consulting-Aufträge von Unternehmen an, um über Familienfreundlichkeit und Finanzen für Familien zu informieren. Das Schöne am nebenberuflichen Gründen ist für Marielle, dass Veränderungen immer möglich sind und Zeit für Familie und Selbstständigkeit bleibt.
Mein persönlicher Rat
Marielle Schäfer: „Nebenberufliches Gründen ist eine super Chance für alle, die eine Idee auszuprobieren möchten, ohne alles auf eine Karte zu setzen. Wenn es nicht funktioniert, habt ihr nichts verloren, sondern in jedem Fall dazugelernt. Und wenn es super läuft und das Unternehmen stetig wächst, kann aus der Nebenberuflichkeit eine Vollzeit-Unternehmung werden.“
Der Weg über Franchising
Die Gründungsidee
Eduard ist gelernter Banker, der den vorgezeichneten Karriereweg nicht weitergehen wollte. Er hatte vielmehr Lust auf ein unternehmerisches Experiment und sah im Handwerk die Chance. Ohne Handwerkserfahrungen suchte er nach einem Geschäftsmodell, das zu ihm als Quereinsteiger passte und mit geringem Risiko verbunden ist. Seine Wahl fiel auf das bazuba-Franchise-Modell, bei dem er vom Franchisegeber an die Hand genommen wird und Zeit hat, in die neue Rolle reinzuwachsen.
Der Start
Eduard wechselte seinen Anzug gegen den Blaumann und wurde Schritt für Schritt Experte für minimalinvasive Badsanierung, bei der Zeit, Kosten und Ressourcen gespart werden. Der Franchisegeber unterstützte ihn in der operativen Vorbereitung: von der Firmengründung über die Standortsuche, Finanzierungsunterlagen und Bankgespräche bis hin zu Mitarbeitersuche und Ausbildung. Die persönliche Begleitung reichte bis zur praktischen Einarbeitung.
Der Realitätscheck
Die größten Sorgen wurden an Eduard von außen herangetragen. Menschen aus dem Bankenumfeld seien nicht bekannt dafür, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, so Eduard. Die größte Skepsis gab es jedoch im engsten Umfeld. Seine Eltern hatten große Sorge, ob die Gründung während der Coronapandemie – dazu als Branchenfremder – wirklich aufgeht. Und auch Eduard war sich bewusst, dass er eine handwerkliche Tätigkeit von Grund auf neu erlernen und gleichzeitig in die Rolle des alleinigen Geschäftsführers hineinwachsen muss. Was ihm Sicherheit gab, war das Wissen, dass er jederzeit auf die Erfahrung des Franchisegebers zurückgreifen kann.
Hürden überwinden
Hürden sieht Eduard rückblickend vor allem bei der persönlichen Weiterentwicklung: Er musste sich in kurzer Zeit nicht nur Handwerksfähigkeiten aneignen, sondern auch in die Rolle des alleinigen Inhabers und Geschäftsführers hineinwachsen.
Die Erfolgsbilanz
Eduard genoss als Franchise-Nehmer vom ersten Tag an bessere Konditionen im Einkauf, eine großartige steuerliche, finanzielle und rechtliche Beratung sowie Betreuung. Zudem hatte er Zugang zu Märkten und Kund:innen, was den meisten Start-ups normalerweise erst nach vielen Jahren am Markt gelingt. Heute ist Eduard Handwerker, der mit Leidenschaft saniert und führt. Sein Unternehmen wächst, er bildet aus, gewinnt Neukund:innen und bringt, wie er selbst sagt, „Badezimmerliebe“ in die Region.
Mein persönlicher Rat
Eduard Herbel: „Habt keine Angst, euch mit dem Franchising auf ein neues und sogar branchenfremdes Abenteuer einzulassen. Für mich wurde es, in Bezug auf meine persönliche Entwicklung, die bisher spannendste und lukrativste Reise meines bisherigen Lebens.“
Die Einstiege ins Unternehmertum sind so vielfältig wie die Menschen, die diesen Weg gehen. Gleichzeitig gibt es eine Konstante, wie auch Marielle und Eduard beweisen, die alle Gründer:innen verbindet: Sie sehen in Unternehmertum eine echte Chance, die sie mutig ergreifen.
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